Mezcal fĂŒr Whisky-Liebhaber: Was Schottland und Mexiko gemeinsam haben – Gastbeitrag

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Islay-Whisky ist eine tolle Sache. Um sich fĂŒr die in Torf gehĂŒllten Aromen zu begeistern, muss man eben wirklich kein Kettenraucher sein. Bei so viel KomplexitĂ€t und „Wumms“ im Glas, vergessen manche „smoky“ Fans und alteingesessenen Inseltrinker gerne auch ĂŒber den Tellerrand hinauszublicken.
Auf der anderen Seite des Globus, gibt es nÀmlich eine Spirituose, die viele Liebhaber von rauchigem Whisky nur selten auf dem Radar haben. Es ist die Nationalspirituose Mexikos und ein absoluter Geheimtipp unter gehobenen Barbetreibern: Mezcal.
Halt! Ohne mich! – wirst du jetzt rufen, wenn du einer dieser Leute bist, die schlichtweg eine schlechte Erfahrung mit billigem Mixto-Tequila gemacht haben. Salz und Zitrone war das doch, oder? Vielleicht denkst du auch an eine dieser Geschichten vom „Wurm in der Flasche“. VerstĂ€ndlicherweise prĂ€gt solch eine Negativ-Erfahrung den geschulten Gaumen.
Tequila & Mezcal zu vergleichen wÀre aber in allen Belangen nicht richtig. Zwar handelt es sich jeweils bei beiden um einen Agavenbrand, jedoch unterscheiden sie sich fundamental voneinander.
Wir haben im nun Folgenden versucht euch Torf-Junkies einmal einen dieser Mezcals schmackhaft zu machen.

Traditionelle Herstellung

Angesichts des technischen Fortschritts vergangener Dekaden ist es doch schon verwunderlich, dass manche Branchen sich vermeintlich nicht verĂ€ndern. Schottische Brenner vertrauen seither auf ihre Maschinen und Methoden. Von außen betrachtet erscheint es, als wĂŒrde das auch die nĂ€chsten tausend Jahre Bestand haben.
Die Mexikanischen Kleinbauern vertreten da eine Ă€hnliche Meinung. Die rudimentĂ€ren Destillationsapparate gleichen dabei seltener einer kupfernen Brennblase als zusammengeschweißten Kochtöpfen. Ganz traditionell eben. Bei Tequila sieht das schon anders aus. Um die hohe Nachfrage aus den USA gerecht zu werden, ist man auf die hochmodernen Anlagen und Prozesse angewiesen.


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Klima & Terroir – Nicht nur Sonne und Strand in Mexiko

Man hört Destillateure und Markenbotschafter der Islay-Malts hin und wieder ĂŒber ihre Insel-Wetter sprechen. HĂ€ufiger stellt man die These auf, dass besonders NĂ€sse, Wind und KĂ€lte den Geschmack der Whiskies positiv beeinflussen wĂŒrden.
Wer bei Mexiko an Sombreros, LiegestĂŒhle und Pina Coladas denkt, hat sich ordentlich geschnitten. Zwar benötigen die Agaven mehr Sonnenstunden als andere Agrarprodukte, jedoch liegen diese zumeist in 1.600 – 2.000 Meter hohen Gebirgsketten.
Die Felder erstrecken sich Kilometerweit oder befinden sich im Falle von Wildagaven inmitten von kargen und steinigen Landschaften weit abseits von karibischen TraumstrÀnden.

Das Raucharoma entsteht auch beim Darren

Nur gestaltet sich das Darren bei einem Mezcal etwas anders. Um die mĂ€chtigen Agavenkörper einzukochen, werden die sogenannten „Pinas“ (zu Deutsch Ananas) in einem 3-4 Meter breiten und bis zu 3 Meter tiefen Krater zwischen Steinen und Geröll eingekocht.
Es handelt sich zwar eher um einen Back- als um einen Trockenvorgang, jedoch ist das Resultat identisch. Mezcal hat verschiedene Ebenen der Rauchigkeit, manchmal subtil, sĂŒĂŸ und grillĂ€hnlich, manchmal robuster und rustikaler. Organisches Material wie beispielsweise verschiedene Hölzer sorgen schlussendlich fĂŒr die phenolische Wirkung, die wir vom getorften Gerstenmalz so lieben.


Gut Ding will Weile Haben

Sicherlich, vergleich man die Preise eines handelsĂŒblichen Botique-Gins mit dem durchschnittlichen 12-jĂ€hrigen Single Malt, dann kommt der Whisky-Kenner gehörig ins Stutzen. Die KomplexitĂ€t einer Spirituose zeichnet sich eben durch ihre Lagerzeit aus. Geschmack und Facetten konnten eben bis dato trotz vieler Versuche nicht kĂŒnstlich hergestellt werden.

Aber auch der Rohstoff ist nicht zu vernachlĂ€ssigen. Wohingegen die Gerste nur ein Jahr bis zur Erntereife benötigt, braucht eine Agave minimal 6-8 Jahre um voll auszureifen. Auch hier spielt die Zeit eine große Rolle. In SonderfĂ€llen wie dem „Tobala“ Mezcal, einer Wildagave aus dem Hochland, kann die Pflanze gerne auch mal 25 Jahre bis zur fertigen Vollkommenheit benötigen.


Renaissance – Mezcal kommt wieder in Mode

Die Àlteren Whisky-Trinker werden festgestellt haben, dass der Hype nach Scotch Single Malts nicht immer da war. Erst mit den 90ern, tendenziell sogar Anfang des 21. Jahrhunderts kam das Whisky-GeschÀft in Deutschland mehr und mehr ins Rollen. So gesehen waren die Schotten lange Zeit gÀnzlich unterm Radar.

Ähnlich erging es dem Mezcal. Bis vor kurzem im eigenen Land als „AltbackengetrĂ€nk“ verschrien, erlebte er dann vor knapp 10 Jahren die Auferstehung. Neue Marken kamen zu tragen und die Vertriebswege von den Dörfern in die großen StĂ€dte haben sich geöffnet. Als i-TĂŒpfelchen haben nun auch internationale Barkeeper den Agavenbrand auf dem Schirm.

Über den Autor
Marcel Reperich

Marcel Reperich

Marcel ist GrĂŒnder und Autor von den Rauschrebellen aus Hamburg. Wer auf der Suche nach besonderen Genusserlebnissen ist, sollte sich in eines ihrer Surprise Tastings einbuchen.


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